Highlights des Monats

Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen jeden Monat ein neues Objekt aus der NÖ Landesbibliothek.


Weihnachtskarte mit einem österreichischen Soldaten 1917
Weith, Maria, 1884-1950. Weihnachtsgrüße 1917 (im Bild der Gösing bei Ternitz).
Farbpostkarte aus der K.K. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien (Druck nach Original), Blatt ca. 9 x 14 cm
NÖLB, Inventarnummer 14.945 der Topografischen Sammlung


Die Malerin, Grafikerin und Restauratorin Maria "Mizzi" Weith ist am 20. März 1884 in Wien geboren und ebendort am 29. Mai 1950 verstorben; ihr Ehrengrab befindet sich am Baumgartner Friedhof (Gr. E 1, Reihe 5, Nr. 364). In der Topografischen Sammlung der NÖ Landesbibliothek werden insgesamt 16 ihrer Kunstwerke aufbewahrt; auf zweien findet sich die Angabe "Mitzl Weith, Kunstmalerin, Kettenbrückengasse 23, Wien V.". 

Der den Bildhintergrund füllende, 898 m hohe Gösing befindet sich in den Gutensteiner Alpen im Bereich des Naturparks Sierningtal-Flatzer Wand (nordwestlich von Ternitz).

Kreuzgang im Stift Ardagger
Aquarell, 31, 8 x 24, 5 cm. Bezeichnet: R.Pichler 92
[NÖ Landesbibliothek, Topographische Sammlung, Inventarnummer 28.380]


Das Kollegiatstift Ardagger basiert auf einer Schenkung Kaiser Heinrichs III. aus dem Jahr 1049. Aufgabe dieser Stiftung war die seelsorgerliche Betreuung der umliegenden Pfarren. Die in Ardagger angesiedelten Priester waren Weltgeistliche, also keiner Ordensregel verpflichtet, lebten von ihren Pfründen bzw. nützten diese als Versorgungsinstrumente. Stift Ardagger bestand bis zu seiner Auflösung unter Kaiser Joseph II. im Jahr 1784 und weist heute noch bedeutende künstlerische Relikte auf.

So verbindet man mit dem Namen Ardagger die um 1230 entstandene Hallenkrypta oder das berühmte, aus derselben Zeit stammende „Margaretenfenster“. Der aus dem 14. Jahrhundert datierende Kreuzgang mag folglich nicht das spektakulärste Kunstwerk im Stiftsbereich sein, verdient aber dennoch Aufmerksamkeit: Schließlich reiht er sich in die Gruppe anderer Kreuzgänge jener Zeit ein, zu welchen etwa der wieder ausgegrabene Altenburgs – nicht nur ein Barockjuwel! – zählt.

Mit seinem stimmungsvollen Einblick in dieses Bauwerk hat der Künstler den pinselbewehrten Finger auf eine Eigenart der Institution „Kollegiatstift“ gelegt: Brauchen Geistliche, die keiner Residenzpflicht unterliegen, einen Kreuzgang als Verbindung zwischen den liturgischen Kernbereichen (z.B. Stiftskirche) und den übrigen Teilen des Baukomplexes? Ja, konnten solche Stifte doch Räume für Kapitelversammlungen und für gemeinsame Mahlzeiten besitzen; auch wird der Sepulkral- und damit Repräsentationscharakter eines Kreuzgangs zu bedenken sein.

Rudolf Pichler (1874-1950) war studierter Architekt. Neben seiner beruflichen Tätigkeit, welche ihn bis 1923 auf den Posten eines für Heimatschutz zuständigen Ministerialrats führte, übte er das Handwerk eines Malers und Zeichners aus. Von diesem unschätzbaren Hobby legen heute zahlreiche in der Topographischen Sammlung der NÖ Landesbibliothek aufbewahrte Blätter Zeugnis ab, darunter zwei Aquarelle zu Stift Ardagger.

Bibliotheksschild
© NÖ Landesbibliothek


Am 24. Mai 2019 verstarb der gebürtige Feldkircher Dr. Haimo L. Handl im Alter von 70 Jahren in Mistelbach. Der studierte Politik- und Kommunikationswissenschaftler hatte 2008 den Driesch Verlag in Drösing gegründet, wo er sich seit 2003 aufgehalten hatte. Von 2010 bis 2014 waren insgesamt 20 Folgen der gleichnamigen „Zeitschrift für Literatur & Kultur“ Driesch erschienen. Als Träger des Verlages wie auch des „Instituts für Kommunikation“ fungierte der ebenfalls 2008 gegründete Verein „Gleichgewicht – Bildungs- und Kulturverein“ in Drösing. 2013 hatte der Verein ein Landhaus im Dorfzentrum von Drösing gemietet, das seit 2014 die öffentliche „Bibliothek Gleichgewicht“ samt „Galerie in der Bibliothek“ beherbergte. Der Bestand der Bibliothek, eigentlich die Privatbibliothek von Dr. Haimo L. Handl, war dem Verein Gleichgewicht als Dauerleihgabe überlassen worden. Die Schwerpunkte der über 10.000 Bände umfassenden Bibliothek bilden Philosophie, Sprachwissenschaft, Literaturtheorie, Historie und Politik sowie Kunst und Kunsttheorie.  

Um den drohenden Verlust dieser bedeutenden Sammlung für die Öffentlichkeit zu verhindern, hat die Niederösterreichische Landesbibliothek diese zur Gänze übernommen; Übernahme und Transport sind kürzlich erfolgt. Wieder zugänglich wird die Sammlung aber natürlich erst nach Integration der Bestände in den Katalog der NÖ Landesbibliothek sein; dieser Zeitpunkt ist derzeit noch nicht absehbar.

Übernahme der Bibliothek Gleichgewicht in Drösing

Berchtoldsdorf
Kolorierte Umrissradierung, 27,3 x 41,8 cm.
Beschriftet: Ansicht des landesfürstlichen Marktes Berchtoldsdorf. / Vue du Bourg dominal de Berchtoldsdorf.
Bezeichnet [auf diesem Ex. abgeschnitten]: L. Janscha del. / J. Ziegler sc. / Wien bey F. X. Stöckl.
[NÖ Landesbibliothek, Topograph. Sammlung, Inv.-Nr. 5.649]


Perchtoldsdorf wird hier en profil von etwa Südosten wahrgenommen. Die Stadt ist aufgrund ihrer Monumentalbauten kenntlich, allen voran die Pfarrkirche mit dem markanten, ja wahrzeichenhaften Wehrturm und die weiter rechts sichtbare Spitalskirche. Das ist aber nicht alles: Der betrachtende Blick wird über eine leicht erhöhte Vordergrundzone gelenkt und nähert sich der Stadt gleichsam auf den Spuren eines etwa mittig dahinziehenden Wanderers.

Besagte Bühne wird rechts von einem Bildstock beschlossen, an welchem müde Wanderer auszuruhen scheinen. Der historische Marktort wird als Teil einer idyllischen Parklandschaft dargestellt, welche mit den damals eher rauen Verhältnissen in eigentümlichem Kontrast steht.

Sowohl „Bühne“ als auch Bildstock tradieren ältere Abbildungsgepflogenheiten. Zwar scheint das Marterl die aus dem 17. Jahrhundert her bekannten „rahmenden“ Bäume eines Matthäus Merian und Zeitgenossen transformierend zu ersetzen; auch wird der Genre-Charakter der Komposition durch die Figurenstaffage betont: Letztlich aber speist sich die Komposition streckenweise aus althergebrachten Errungenschaften – die von einem Akademieprofessor, wie Janscha einer war, auch unterrichtet wurden.

Das hier deklarierte Künstler-Duo war zu seiner Zeit eine bewährte, zahlreiche Blätter verantwortende „Institution“. Während Lorenz Janscha (1749-1812) die Vorlagen lieferte, wurden sie von Johann Ziegler (1749-1802) in Kupfer radiert – so auch diese Ansicht, erschienen in einer umfangreichen Bildfolge: den „Vues de différens Bourgs […]“. Deren großformatige, durch Kolorit bestechende Radierungen öffneten in mancher Hinsicht das Tor zum Zeitalter des „Biedermeier“, welches eine bis dahin ungeahnte Anzahl von Ansichten-Zyklen hervorbringen sollte.

Seitenstätten
Kolorierte Umrissradierung, 25,9 x 37,4 cm (Blatt 31,2 x 39,8 cm).
Beschriftet: Seitenstädten. Bezeichnet: Nach der Natur gezeichnet / und geätzt von A. Köpp v. Felsenthal.
[NÖ Landesbibliothek, Topographische Sammlung, Inventarnummer 6.955]


Anton Köpp von Felsenthal (1766-1826) wurde als Sohn eines Malers in Wien geboren; er wirkte als Mitglied der Wiener Kunstakademie und als Zeichenlehrer. Gemeinsam mit seinem Bruder Christian publizierte er 1814/24 die von Texten begleitete Ansichten-Folge „Historisch mahlerische Darstellungen von Oesterreich“, welchen das vorliegende Blatt entnommen ist. 

Das betrachtende Auge hat Mühe, sich vom reich gestalteten Vordergrund zu lösen: Eine Bildsäule mit Christus an der Geißelsäule markiert die Grenze des Sichtbaren; neben ihr rollt ein Fuhrwerk die Straße entlang – und natürlich auf das eigentlich Thematisierte zu: Ort und Kloster Seitenstetten. Nun, da auch einer der beiden Wanderer auf besagten Ort zeigt, erhält das Auge gleichsam die Erlaubnis, Seitenstetten selbst wahrzunehmen. 

Nachdem man sich dieser strengen „Blickregie“ unterworfen hat, springt die etwa von Nordwesten aus dargestellte Abtei ins Auge. Sie, vom Meierhof flankiert, bestimmt das Bildfeld, in welchem für die Wiedergabe der übrigen Bauten wenig Platz ist. Das mag an der räumlichen Distanz liegen, beruht jedoch ebenso auf überkommenen, bis zum Barock und weiter zurückreichenden Abbildungsgewohnheiten.  

Diesen zufolge genügte es, eine Örtlichkeit anhand ihrer Monumentalbauten kenntlich zu machen; alles andere konnte vernachlässigt werden. Da die vielen besagtes Kloster umgebenden Häuser sich von ihren Dimensionen her mit dem Klosterbau nicht messen können und bei Köpp in der reichlich sprießenden Vegetation beinahe untergehen, vermeint man, ein aus früheren Epochen stammendes Bild vor sich zu haben. 

Bei allem Forcieren des landschaftlichen Elements, welches biedermeierliche Ansichten auszeichnet, bei aller kompositorischen Raffinesse, bei allem also, was man gern unter „Fortschritt“ zu buchen bereit ist: Auch solche Darstellungen waren bestimmten Traditionen verpflichtet – wofür Köpps Seitenstetten ein guter Beweis ist.

Schloss und Park ernstbrunn
Kupferstich, 38,7 x 66,1 cm (Plattenrand 45,3 x 69,2 cm, Blatt 44,6 x 70,0 cm).
Beschriftet: IVeme Vue Du Chateau d'Ernsbrunne Appartenant a Mr le Cte Prosper Sinzendorf. prise du Coté du Septentrion.
[NÖ Landesbibliothek, Topographische Sammlung, Inventarnummer 1.417]


Das im Kern mittelalterliche Schloss Ernstbrunn (Bezirk Korneuburg) erfuhr um 1800 eine modernisierende Umgestaltung: Dem wehrhaften Vorschloss wurde ein freundlicheres Erscheinungsbild zuteil; aus dem wehrhaften Vorbau hatte man ein festlich-einladendes Entrée gestaltet. Dies entsprach vollkommen der damals vorbildlichen, Blicke wie Personen „lenkenden“ Architekturauffassung.  

Der hinter Ansichten wie dieser stehende „Seriengedanke“ – allein vier Stiche schuf Ponheimer zum Thema Schloss Ernstbrunn – reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, als man Städte, Klöster und Schlösser systematisch von zwei oder gar vier Haupthimmelsrichtungen aufzunehmen begann.  

Das Besondere an Ponheimers Grafik ist die Verbindung von baulicher Dokumentation und ästhetischer Landschaftsdarstellung. Im Zuge der erwähnten Umgestaltung erhielt Ernstbrunn nämlich auch einen „englischen“ Landschaftsgarten, wie wir ihn etwa von Schloss Schönborn bei Göllersdorf her kennen. 

Das bedeutet nun das Zusammentreffen zweier unterschiedlicher Phänomene, des altbewährten „Seriengedankens“ und dem sich neu ausrichtenden Interesse an Naturschönheit: Landschaft wurde nun nicht mehr als etwas nutzbar zu Machendes, oft Hinderliches, ja teils Schreckliches empfunden, sondern vermehrt als ästhetisch gestaltbarer Erholungsbereich. 

Kilian Ponheimer der Ältere (1757-1828) war Wiener und studierte an der Akademie seiner Geburtsstadt (in der sein Leben auch endete). Der Zeichner und Radierer arbeitete an mehreren Ansichtenfolgen der Jahre um 1800 mit und erwies sich auch als begabter Reproduktionsstecher.

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Letzte Änderung dieser Seite: 28.5.2021
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