Highlights des Monats
Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen jeden Monat ein neues Objekt aus der NÖ Landesbibliothek.
Verstaubter Gehrock, schlurfender Schritt mit einem Stapel Büchern in der Ellenbeuge, streng geflochtener Dutt mit gestrickter Weste, stets ein „Pssst!“ auf den Lippen. Mit der Berufsbezeichnung „Bibliothekar“ werden eine Vielzahl von althergebrachten Bildern assoziiert, welche in der Mehrheit gänzlich und im Besonderen meistens inkorrekt sind.
[1]
In der Vielfalt liegt die Kraft – Wege zum Bibliothekarsberuf
So divers die unterschiedlichen Arten und Inhalte von Bibliotheken sind, so mannigfaltig sind auch die Wege zur Tätigkeit in eben diesen. Von wissenschaftlich ausgerichteten Dienstposten in wissenschaftlichen Universitäts- und Fakultätsbibliotheken zu (zumeist ehrenamtlichen) Gemeindebibliothekaren in einer Stadtbibliothek oder Privatgelehrten, welche die persönlichen Bestände von Sammlern verwalten, die Arbeitsumgebung von bibliothekarisch tätigen Menschen ist ungemein umfangreich und divers.
Grundsätzlich ist für die Einstiegslaufbahn in einer Bibliothek keinerlei Ausbildung vonnöten, man kann als eine Hilfskraft angelernt werden. Für die weiterführenden und höheren Weihen sind universitäre Ausbildungen von Vorteil. Darüber hinaus gibt es eine breite Auswahl an Ausbildungen, welche auch im späteren Verlauf einer Karriere eingeschlagen werden können: Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit der Lehre (Lehrberuf Archiv-, Bibliotheks- und Informationsassistent[2]) beziehungsweise die universitäre Ausbildung mit dem Grund- und Aufbaulehrgang Library and Information Studies[3] an der Universität Wien und der Österreichischen Nationalbibliothek.
Nach dem Zettelkasten. Neue Medien und Aufgabenfelder
Neben diesen grundlegenden Ausbildungen existiert eine große Vielfalt an Fortbildungen und Spezialisierungen, beispielsweise in Richtung Teaching Librarian[4], Data Steward, Data Librarian[5] und etliche weitere[6][7]. Unsere moderne Medienwelt mit gewaltigen Datenmengen als neuer globaler Standardwährung bringt mit sich, dass sich Bibliothekare weit über die Arbeit mit gedruckten Werken hinaus vertraut müssen.
[8]
Das aktuelle Berufsbild des Bibliothekars (in wissenschaftlichen Bibliotheken) hat sich zu einer unterstützenden Tätigkeit entwickelt. Bibliothekare sind spezialisierte Fachkräfte, welche bei Literaturrecherche, Publikation und Verwaltung von Texten helfen. Ob man für die Recherche zu einem wissenschaftlichen Projekt Hilfe benötigt, seine eigenen Forschungsdaten im Rahmen von citizen science in einem digitalen Repositorium[9] hochladen oder sich in der Bibliothek fortbilden möchte, die Bibliothek ist heutzutage längst mehr als lediglich ein Aufbewahrungsort für Druckwerke und versteht sich als sozialer, medialer und bildungsrelevanter Treffpunkt für die (Forschungs-)Gemeinschaft.
Ohne Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, dem Erkunden neuer Fachbereiche und Umgang mit Menschen, aber auch Technik und dem Entwickeln eigener Schwerpunkte in seinen Tätigkeiten wird man sich als Bibliothekar des digitalen Zeitalters schwer tun. Aber gerade diese Vielfalt an Möglichkeiten zur Ausformung der eigenen Interessen ist das Schöne an diesem faszinierenden, erfüllenden und bereichernden Beruf.
Autor: Johannes Haslhofer (Februar 2026)
[1] Carl Spitzweg, Der Bücherwurm, um 1845. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_B%C3%BCcherwurm, abgerufen am 22.1.2026
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Bibliothekar, abgerufen am 22.1.2026
[3] https://bibliothek.univie.ac.at/ulg/, abgerufen am 26.1.2026
[4] https://www.postgraduatecenter.at/weiterbildungsprogramme/kommunikation-medien/teaching-librarian/, abgerufen am 26.1.2016
[5] https://rdm.univie.ac.at/de/data-stewards-universitaet-wien/data-steward-werden/, abgerufen am 26.1.2026
[6] https://www.bvoe.at/aus-und-fortbildung/kurse, abgerufen am 26.1.2026
[7] https://www.treffpunkt-bibliothek.at/angebote/weiterbildung/, abgerufen am 26.1.2026
[8] Giuseppe Arcimboldo, Der Bibliothekar, um 1570. https://de.wikipedia.org/wiki/Giuseppe_Arcimboldo, abgerufen am 22.1.2026
[9] https://publiscologne.th-koeln.de/frontdoor/deliver/index/docId/2045/file/MA_Hermans_Britta.pdf, abgerufen am 26.1.2026
[NÖ Landesbibliothek, Topogr. Sammlung, Inv.-Nr. 9.348]
© K2
Wie ein Denkmal ragt Burg Senftenberg vor uns auf, teilweise grell beleuchtet wie von zahllosen Scheinwerfern. Diese fast poetisch vorgetragenen Beobachtungen wirken überzeugend, verlangen jedoch nach sachlicher Begründung.
Das Monumenthafte an dem hier dargestellten Bauwerk resultiert aus der besonderen Bildkomposition. Man blickt von einem leicht erhöhten Standort aus auf die Ruine, die keineswegs in ihrer Totalen wiedergegeben, sondern gleichsam ausschnitthaft vor Augen geführt wird. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein dominierten Gesamtansichten solcher Bauten, die meist aus großer Distanz, ja oft aus ehrfurchtgebietender Untersicht verewigt wurden. Zu Landas Zeit aber war man immer mehr Facetten des heimischen Architekturerbes auf der Spur und erschloss folglich auch bekannte Baudenkmäler auf innovative Weise.
Der Aspekt „Beleuchtung“ wiederum ergibt sich schlicht daraus, dass hier mit Pastellkreide gearbeitet wurde und ausgewählt helle Farben für die betreffenden „Lichthöhen“ sorgten: Dadurch kann das betrachtende Auge nachempfinden, wie das Sonnenlicht zu einer bestimmten Tageszeit Punkt für Punkt des Mauerwerks abtastet. Mithilfe solcher Kniffe, welche von Landa auch auf die Ölmalerei angewendet wurden, ergeben sich besondere Effekte, welche dem Blatt unwiderstehlichen Charme und dem Künstler den Charakter eines Stimmungsvirtuosen verleihen.
Die gegenständliche Burg war bis zu ihrer Zerstörung durch schwedische Truppen im Jahr 1645 ein stattlicher Adelssitz, dessen älteste noch nachweisbare Teile aus dem 12./13. Jahrhundert stammen dürften. Der immer noch mächtig aufragende Bergfried kann als das Wahrzeichen der Anlage gelten und wurde vom Künstler, kaum zufällig, als zentraler Blickfang gestaltet.
Hubert Landa wurde 1870 im mährischen Branky (Deutsch Branek) geboren und studierte an der Wiener Kunstakademie. 1912 avancierte er zum Professor an der Wiener Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt; er starb 1938 in Kirnberg an der Mank. Von diesem begabten Künstler besitzt die NÖ Landesbibliothek immerhin 17 Original-Arbeiten, darunter ein weiteres Senftenberg-Blatt, welches die Wehrkirche St. Andreas zeigt.
weiterführende Links
Ihre Kontaktstelle des Landes
NÖ Landesbibliothek Landhausplatz 1, Haus Kulturbezirk 3 3109 St. Pölten E-Mail: post.k2bibliothek@noel.gv.at
Tel: 02742/9005-12835
