Highlights des Monats

Auf dieser Seite präsentieren wir Ihnen jeden Monat ein neues Objekt aus der NÖ Landesbibliothek.


Hubert Landa: Burgruine Senftenberg, frühes 20. Jahrhundert

Burg Senftenberg
Pastellkreide auf blauem Papier, 22,0 x 31,5 cm. Bezeichnet: H. Landa
[NÖ Landesbibliothek, Topogr. Sammlung, Inv.-Nr. 9.348]
© K2


Wie ein Denkmal ragt Burg Senftenberg vor uns auf, teilweise grell beleuchtet wie von zahllosen Scheinwerfern. Diese fast poetisch vorgetragenen Beobachtungen wirken überzeugend, verlangen jedoch nach sachlicher Begründung.

Das Monumenthafte an dem hier dargestellten Bauwerk resultiert aus der besonderen Bildkomposition. Man blickt von einem leicht erhöhten Standort aus auf die Ruine, die keineswegs in ihrer Totalen wiedergegeben, sondern gleichsam ausschnitthaft vor Augen geführt wird. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein dominierten Gesamtansichten solcher Bauten, die meist aus großer Distanz, ja oft aus ehrfurchtgebietender Untersicht verewigt wurden. Zu Landas Zeit aber war man immer mehr Facetten des heimischen Architekturerbes auf der Spur und erschloss folglich auch bekannte Baudenkmäler auf innovative Weise.

Der Aspekt „Beleuchtung“ wiederum ergibt sich schlicht daraus, dass hier mit Pastellkreide gearbeitet wurde und ausgewählt helle Farben für die betreffenden „Lichthöhen“ sorgten: Dadurch kann das betrachtende Auge nachempfinden, wie das Sonnenlicht zu einer bestimmten Tageszeit Punkt für Punkt des Mauerwerks abtastet. Mithilfe solcher Kniffe, welche von Landa auch auf die Ölmalerei angewendet wurden, ergeben sich besondere Effekte, welche dem Blatt unwiderstehlichen Charme und dem Künstler den Charakter eines Stimmungsvirtuosen verleihen.

Die gegenständliche Burg war bis zu ihrer Zerstörung durch schwedische Truppen im Jahr 1645 ein stattlicher Adelssitz, dessen älteste noch nachweisbare Teile aus dem 12./13. Jahrhundert stammen dürften. Der immer noch mächtig aufragende Bergfried kann als das Wahrzeichen der Anlage gelten und wurde vom Künstler, kaum zufällig, als zentraler Blickfang gestaltet.

Hubert Landa wurde 1870 im mährischen Branky (Deutsch Branek) geboren und studierte an der Wiener Kunstakademie. 1912 avancierte er zum Professor an der Wiener Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt; er starb 1938 in Kirnberg an der Mank. Von diesem begabten Künstler besitzt die NÖ Landesbibliothek immerhin 17 Original-Arbeiten, darunter ein weiteres Senftenberg-Blatt, welches die Wehrkirche St. Andreas zeigt. 


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Letzte Änderung dieser Seite: 8.1.2026
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