In Österreich fallen jährlich rund 600.000 Tonnen Aschen und Schlacken aus der Müllverbrennung an. Diese enthalten neben Metallen auch erhebliche Mengen an Glas. Während die Rückgewinnung von Metallen bereits seit Jahren etabliert ist, stellte die Trennung und hochwertige Aufbereitung von Glas bislang eine große technische Herausforderung dar. Mit der Anlage „Glasy“ hat das niederösterreichische Unternehmen Brantner green soluttions aus Krems nun ein Verfahren entwickelt, das neue Möglichkeiten für die Kreislaufwirtschaft eröffnet. Erstmals weltweit kann Glas aus Müllverbrennungsrückständen mit einem Reinheitsgrad von 99,9999 Prozent im industriellen Maßstab zurückzugewonnen werden. Damit wird aus einem bisher weitgehend ungenutzten Abfallstrom wieder ein wertvoller Rohstoff und so eine
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betont die Bedeutung solcher Entwicklungen für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich: „Niederösterreich ist ein Land der innovativen Unternehmen, die Herausforderungen erkennen und daraus neue Chancen machen. Brantner zeigt mit Glasy eindrucksvoll, wie aus Forschung und technischem Know-how eine weltweit einzigartige Lösung entstehen kann. Hier wird aus einem Stoff, der bislang auf der Deponie gelandet ist, wieder ein wertvoller Rohstoff. Das schont unsere Ressourcen, reduziert Emissionen und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Genau das ist unser Anspruch mit der Wirtschaftsstrategie Niederösterreich 2030+: Innovationen vorantreiben, nachhaltige Wertschöpfung schaffen und hochwertige Arbeitsplätze in unseren Regionen sichern.“
Die Besonderheit von Glasy liegt in der Kombination modernster Sortier- und Trenntechnologien. Mithilfe eines hochautomatisierten Verfahrens, einschließlich Röntgensortierung, wird Glas aus Müllverbrennungsschlacken zurückgewonnen und für die industrielle Wiederverwendung aufbereitet. Jährlich können so rund 20.000 Tonnen Glas recycelt werden – davon 15.000 Tonnen für die Glasindustrie und 5.000 Tonnen für die Schaumglasverarbeitung. Das reduziert den Deponiebedarf und schont wertvolle Ressourcen.
Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, sieht darin ein eindrucksvolles Beispiel für die wirtschaftliche Bedeutung von Innovation: „Unsere Unternehmen brauchen Lösungen, die Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbinden. Brantner zeigt, wie das gelingen kann. Mit einer weltweit einzigartigen Technologie werden bislang ungenutzte Wertstoffe zurückgewonnen und wieder in industrielle Produktionsprozesse eingebracht. Das reduziert den Rohstoff- und Energiebedarf und eröffnet gleichzeitig neue Marktchancen. Solche Entwicklungen unterstreichen die Stärke unseres Wirtschaftsstandorts und zeigen, dass niederösterreichische Unternehmen auch international technologische Maßstäbe setzen können.“
Hinter der Entwicklung steht intensive Forschungsarbeit. Die Idee entstand bereits 2021 mit dem Ziel, die Wertstoffrückgewinnung aus Müllverbrennungsschlacken weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit dem Christian Doppler Labor für recyclingbasierte Kreislaufwirtschaft an der TU Wien wurden in den folgenden Jahren wichtige wissenschaftliche Grundlagen erarbeitet. Anschließend folgten umfassende Versuche mit unterschiedlichen Sortiertechnologien sowie detaillierte Materialanalysen. Auf dieser Basis entwickelte Brantner gemeinsam mit Maschinenherstellern ein Verfahren, das den hohen Qualitätsanforderungen der Glasindustrie gerecht wird. Das Ergebnis ist eine Technologie, die nicht nur in Österreich neue Möglichkeiten eröffnet, sondern grundsätzlich auch auf internationale Märkte übertragen werden kann.
Josef Scheidl, Geschäftsführer Brantner green solutions, betont: „Mit Glasy machen wir einen Wertstoff wieder nutzbar, der bislang trotz seines hohen Werts weitgehend verloren gegangen ist. Unser Anspruch war es, nicht nur Glas aus Müllverbrennungsrückständen abzutrennen, sondern es in einer Qualität zurückzugewinnen, die eine direkte industrielle Weiterverarbeitung ermöglicht. Mit unserer weltweit einzigartigen Technologie zeigen wir, welches Potenzial in Forschung, Entwicklung und moderner Kreislaufwirtschaft steckt.“
Brantner green solutions mit Sitz in Krems blickt auf eine 90-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Das Unternehmen ist in den Bereichen Abfallwirtschaft, Ressourcenmanagement, Kreislaufwirtschaft sowie Transport und Logistik tätig und beschäftigt mehr als 2745 Mitarbeitende in Österreich und vier weiteren Ländern. Mit der Glasy-Anlage unterstreicht Brantner seinen Anspruch, innovative Lösungen für eine ressourcenschonende Wirtschaft zu entwickeln. Beim NÖ Innovationspreis 2026 wurde das Projekt in der Kategorie Sonderpreis „Nachhaltige Innovation“ eingereicht. Die Entwicklung macht deutlich, wie niederösterreichische Unternehmen mit Forschung und technologischer Kompetenz neue Wege in der internationalen Kreislaufwirtschaft eröffnen.
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