Suche nach einem Atommüll-Endlager in Tschechien

Einschränkung auf 4 mögliche Atommüllendlager-Standorte

Bereits seit mehreren Jahren wird ein Standort für ein geologisches Tiefenlager (Endlager) für abgebrannte Brennelemente und hochaktive, radioaktive Abfälle in der Tschechischen Republik gesucht. Tschechien untersucht seit 2016 einige Standorte hin auf ihre Eignung als Atommüllendlager, auch Orte in der Nähe von Niederösterreich sind bzw. waren darunter.

Bisher waren 9 potentielle Standorte für ein Atommüllendlager bekannt: Březový potok, Čertovka, Čihadlo, Horka, Hrádek, Janoch, Kraví hora, Magdaléna und Na Skalní (Regionen Westböhmen, Südböhmen, Südmähren, Ústí nad Labem und Vysočina), 2 Standorte sind nahe der AKWs Temelin und Dukovany. 

Am 4. Juni 2020 hat der Expertenrat der tschechischen Atommüllbehörde (SÚRAO) eine Empfehlung über die Reduktion von vormals 9 auf nunmehr 4 mögliche Atommüll-Endlagerstandorte abgegeben, und die Bürgermeister der betroffenen tschechischen Gemeinden über diese Auswahl informiert.

Die NÖ am nächsten gelegenen Standorte Čihadlo (rd. 21 km) und nahe beim AKW Dukovany (rd. 32 km) sind hier nicht mehr dabei, ebenso sind von dieser Expertenempfehlung die möglichen Standorte in Kravi Hora (70 km), Magdalena (61 km) und Certovka (174 km) nicht mehr umfasst.

Die vier übrig gebliebenen Standorte sind (Kilometer entfernt von Österreich):

  • Březový potok im Kreis Pilsen (106 Kilometer entfernt),
  • Hrádek bei Iglau (40 Kilometer entfernt),
  • Horka bei Třebíč (45 Kilometer entfernt) und
  • Janoch beim AKW Temelín (48 Kilometer entfernt).

Die tschechische Atommüllbehörde SÚRAO betont, dass es sich um keine endgültige Entscheidung handelt, sondern um den Bericht der Expertengruppe. Die endgültige Entscheidung trifft später die Regierung, davor wird diese Empfehlung noch vom Rat der SÚRAO behandelt, der diesem Vorschlag allerdings noch zustimmen muss.


Nächste Schritte:

  • Frühestens ab 2021: Tiefenbohrungen an den verbleibenden 4 Standorten  
  • Frühestens ab 2021: Auswahl zweier Kandidatenstandorte  
  • Frühestens ab 2025: Auswahl endgültiger Standort  
  • Frühestens ab 2035: Beginn des UVP-Verfahrens für das Endlager  
  • Frühestens ab 2050: Bau des Tiefenlagers  
  • Frühestens ab 2065: Beginn der Einlagerung

Die Entscheidung von Tschechien eine bessere Datengrundlage für die Standortreduktion zu schaffen ist begrüßenswert, jedoch war und ist der Zeithorizont für den laufenden Entscheidungsprozess weiterhin sehr unklar und wird aus Sicht des Landes Niederösterreich nicht transparent und öffentlich genug kommuniziert. 

Es ist für Niederösterreich wichtig beim tschechischen Auswahlprozess für ein Atommüllendlager darauf zu drängen eine aktive und möglichst frühe Mitsprache für die niederösterreichische Bevölkerung durch die tschechischen Behörden vorzusehen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung erst für den finalen Standort ab dem Jahre 2025 oder deutlich danach durchzuführen, bei der die Entscheidung über eine grenzüberschreitende österreichische Beteiligung noch offengelassen wurde, ist für die NÖ Bevölkerung unbefriedigend, weil zu spät angesetzt. 

Um mögliche negative Auswirkungen auf Österreich durch ein grenznahes Atommülllager in Tschechien zu verhindern, fordert das Land Niederösterreich eine grenzüberschreitende Öffentlichkeitsbeteiligung und den aktiven öffentlichen Informationsaustausch zu jeder Phase des Entscheidungsprozesses bei der Suche nach einem Atommüllendlager in Tschechien.


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Letzte Änderung dieser Seite: 10.7.2020
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