Highlights des Jahres 2010

Seit Mai 2010 präsentiert die NÖ Landesbibliothek jeden Monat ein neues Highlight. Auf dieser Seite finden Sie jene aus dem Jahr 2010.

Das Land Niederösterreich hat einen Teilnachlass von Karl Farkas aus dem Thomas-Sessler-Verlag in Wie erworben, der in der NÖ Landesbibliothek aufbewahrt wird. Die Aufarbeitung des Nachlasses konnte Anfan dieses Jahres abgeschlossen werden. Das Ergebnis - Ordnung des Nachlasses in knapp 700 Mappen un Beschreibung deren Inhalts - können Sie im Katalog der Landesbibliothek einsehen.

Stellvertretend für den Nachlass sind die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, verliehen am 29.11.1963, die Ehrenmedaille des Österreichischen Rundfunks für besondere Verdienste sowie die Urkunde über die Verleihung des Professorentitels am 25.11.1965 abgebildet. Der Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Kabarettist und Kabarett-Leiter Karl Farkas, geboren am 28. Oktober 1893 in Wien, gestorben am 16. Mai 1971 in Wien, absolvierte die Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, trat ab 1921 im Kabarett Simpl in "Doppelconférencen" zusammen mit Fritz Grünbaum auf, begab sich 1938 über Brünn und Paris nach New York ins Exil, wo er seine künstlerische Tätigkeit fortsetzte, kehrte 1946nach Wien zurück und trat ab 1950 wieder im Kabarett Simpl auf, das er bis zu seinem Tod leitete. Er verfasste nun gemeinsam mit Hugo Wiener Revuen; neuer Partner in den "Doppelconférencen" war Ernst Waldbrunn. Bekannt sind auch seine im Österreichischen Rundfunk ausgestrahlten "Bilanzen" der Saison, des Monats und  des Jahres.

Der Nachlass steht ab sofort der Forschung zur Verfügung: der Werdegang vieler Sketches wird anhand der handschriftlichen Fassungen und Typoskripte mit handschriftlichen Korrekturen nachvollziehbar; es erstaunt immer wieder, wie viel Planung und Arbeit hinter jedem Auftritt stand. So gesehen, ist der Nachlass ein einzigartiges Dokument geplanter "Improvisation". Beispiele: "Morgenstern und Praterstern : eine astronomische  Abhandlung in 18 Sternbildern", Typoskript mit handschriftlichen Bearbeitungen; "Eine Partie  Sechsundsechzig", Handschrift und Typoskript mit handschriftlichen Bearbeitungen, 2 Fassungen; "Der Powidl Tarzan", Typoskript, 2 Fassungen, "Aschenblödel", Handschrift; "00Sex-007", Handschrift. 

Biografie von Karl Farkas

Ehrenmedaille und Urkunde über Verleihung des Titels Professor
Ehrenmedaille und Urkunde über Verleihung des Titels Professor© NÖLB
Der 2er, auch Uhu genannt
Die Tarock II. Diese Karte wird auch "Uhu" genannt.© NÖLB

Ein äußerlich unscheinbares Büchlein wurde von der 
Niederösterreichischen Landesbibliothek vor kurzem erworben: die 
"Theoretisch-praktische Anweisung zur gründlichen Erlernung des 
beliebten Tarok-Tappen-Spiels, sowohl durch genaue Bestimmung aller 
Regeln und Feinheiten, als auch durch die Beobachtung und 
Auseinandersetzung mehrerer angeführter, sehr schwieriger Beyspiele. 
Hrsg. von einem genauen Kenner", 2., viel verbesserte und mit einem 
Anhange über das neue „Königrufen" vermehrte Auflage, Wien, Carl 
Haas, 1827. Dies ist das erste Buch, das sich mit dem Thema 
"Königrufen" beschäftigt. 

Es handelt sich um ein "Rarissimum", das bis vor kurzem (im Unterschied zur 1. Auflage von 1821, die sich 
noch nicht mit "Königrufen" auseinandersetzt) als verschollen galt.  Erst jetzt können daher Fragen nach der 
ursprünglichen Form dieses Spieles beantwortet und diesbezügliche Hypothesen auf ihre Richtigkeit hin 
überprüft werden.

Im Inneren befindet sich ein ansprechendes Exlibris der "Boekerij van de Stichting Het Nederlandsch 
Belastingmuseum", auf der Haupttitelseite hingegen der Stempel "Fürstlich-Starhemberg'sche Bibliothek 
Schloss Eferding". Der Auktionskatalog "Bibliothek, Waffen der Fürsten Starhemberg Schloss Eferding. 
Mit einigen anderen Beiträgen" der Venator KG in Köln aus dem Jahre 1956 belegt durch den Eintrag "Nr. 
842 - 7 Bücher über Tarock, Kartenkunststücke, Billard, Kegel-, Brett- u. Würfelspiele, Schach. Meist 
Anfang 19. Jahrh. 1 Ldr, 5 OrUmschl. 30,-", dass unser Büchlein mit hoher Wahrscheinlichkeit am 17. 
September 1956 nachmittags im Plenarsaal der Industrie- und Handelskammer Köln zur Versteigerung gelangt 
ist. Der Grund für die Versteigerung eines Teils der Schlossbibliothek ist wohl im Ableben von Ernst Rüdiger 
(Fürst) Starhemberg, ehemals Heimwehrführer und 1934-1936 Vizekanzler, am 15. März 1956 zu suchen. - 
Ein verschollen geglaubtes Stück österreichischen Kulturgutes ist nach Hause gekommen: jetzt daheim in Sankt 
Pölten, zwischen Wien und Eferding ... 

Was ist mit dem Buch gewonnen? Zumindest "das Wissen, wie es war und wie es nicht war".

Kupferstich: Scylla und Charybdis in der Donau
Kupferstich: Scylla und Charybdis in der Donau © NÖLB

„Es stürzt in die Scylla, wer die Charybdis vermeiden will." Unter diesem oft abgewandelten Motto steht unser altkolorierter Kupferstich aus einem der bekannten „Städtebücher" des 17. Jahrhunderts. „Strudel" und „Wirbel" bildeten bis weit in die Moderne hinein ernstzunehmende Hindernisse beim Befahren der Lebensader Donau. Im Zuge der Fahrt stromabwärts - der „Naufahrt" - war man zunächst mit dem „Strudel" konfrontiert; dort sah sich die Donau zwischen der Insel Wörth und zahlreichen Klippen eingeengt. Nach deren Überwindung kam man zum „Wirbel", gleichfalls eine Engstelle; hier drohten besonders Trichterbildungen und Sogwirkung der hier gedrehten Wassermassen.

Der eine steile Aufsicht wählende Kupferstich zeigt in seiner oberen Zone die Situation im Bereich des „Strudels" - allerdings in ästhetisierender Verharmlosung -, während die untere Zone umso drastischer die durch  Kanalisation des Stromes bewirkten Gefahren vor Augen führt. Das landkartenartig gestaltete Panorama hält  zahlreiche Details bereit; die rechts zu sehenden Häuser etwa gehören zum Markt Struden. Dieser Stich sollte  nicht nur informieren, sondern auch humanistisch unterfüttertes Schaudern hervorrufen, bringt er doch ein voyeuristisch sich an den dargestellten Notlagen weidendes Publikum ins Bild und befriedigt so eine wohl überzeitliche Sensationslust. 

Aktuell: Donau. Fluch & Segen. Ausstellung in Ardagger Markt und Ennshafen, 5. 5. - 7. 11. 2010 

Zwar ist die NÖ Landesbibliothek keine theologische Spezialbibliothek, doch wurde in den letzten Jahren  dennoch ein ansehnlicher Bestand an fremdsprachigen Bibeln aufgebaut. Der Zweck liegt nicht so sehr im  theologischen Bereich, sondern vielmehr im sprachlichen - immerhin ist die Bibel wohl das meist übersetzte  Buch der Welt.

Amharic Bible
Amharic Bible © NÖLB

Zu den Aufgaben der Landesbibliothek gehört es, Grundlagenliteratur zu allen Wissensgebieten anzubieten. Daraus resultiert auch das Bestreben, zu allen wichtigen Schriftsprachen der Welt neben Sprachführern,  Wörterbüchern, Grammatiken und Lehrbüchern einen längeren, vergleichbaren und zugleich  kostengünstigen Text bereit zu halten - da bietet sich eben die Bibel an, in vielen Sprachen nicht nur der Beginn der Schriftlichkeit, sondern oft auch deren wichtigstes Ergebnis. Den Argumenten mancher Bibliothekare, das  Sammeln von Bibeln sei heute politisch nicht mehr korrekt; sinnvoller sei es, z. B. den „Kleinen Prinzen" in verschiedenen Sprachen zu sammeln, können wir uns übrigens nicht anschließen.  Neben den „Klassikern" (Biblia Hebraica Stuttgartensia, Novum Testamentum Graece, Septuaginta und  Vulgata),  stehen in deutscher Sprache unter anderem die Einheitsübersetzung, die Lutherbibel und die Gute-Nachricht-Bibel zur Verfügung; aus niederösterreichischer Sicht besonders interessant: die „Klosterneuburger Bibel" (hrsg. von Pius Parsch, 1884-1954, Gründer des Klosterneuburger Bibelapostolates) sowie die  Übersetzung des Alten und des Neuen Testaments von Nivard Schlögl (1864-1939; Zisterzienserpater im Stift

Heiligenkreuz, 1907-1936 Professor für Altes Testament an der Universität Wien, unter anderem auch Gründer  der katholischen Studentenverbindung „Franco-Bavaria" in Wien), die 1922 vom Vatikan auf den „Index librorum prohibitorum" gesetzt wurde. Der Bogen in den Fremdsprachen spannt sich von Navajo und Grönländisch über das Neue Testament in Sanskrit (!) bis zur Ga-Sprache (in Ghana); geradezu banal wirkt da das Gotische, dessen „Vaterunser" man  fast noch versteht: „Atta unsar thu in himinam weihnai namo thein ..." Auch die arabische Bibel hat nichts Abwegiges: allein die koptischen Christen in Ägypten zählen 5-10 Mio. Mitglieder; zur koptischen Prominenz gehört auch der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali. Wem die lateinische Schrift lieber ist als 
die arabische - der greife zu Maltesisch. Wussten Sie, dass „Biblia" eigentlich „Bücher" heißt? Im Wort verbirgt sich der Name einer ehemals phönizischen Handelsstadt im heutigen Libanon (Gubla oder Bubla, griechisch Byblos, heute Jubayl), die einst als Umschlagplatz für Papyrus (Cyperus papyrus) diente und dadurch namensgebend für die daraus hergestellte Buchrolle, griechisch „byblos" oder „biblos", wurde. Stellvertretend für unsere Bibelsammlung abgebildet ist die Bibel in Amharisch, der semitischen Staatssprache Äthiopiens. 

Cover Sioux/Lakota Wort für Wort
Sioux/Lakota Wort für Wort© Reise-Know-How-Verlag Peter Rump, Bielefeld

An Sprachführern zu all diesen Sprachen seien die ebenfalls in der  Landesbibliothek vorhandenen über 200 Bände der Reihe „Kauderwelsch" des „Reise-Know-How-Verlages Peter Rump" in Bielefeld genannt; da findet sich unter anderem sogar ein Band zu Sioux (Lakota). 

Es muss nicht immer ein besonders wertvolles Buch sein, das als Objekt des Monats vorgestellt wird - jedes Buch hat eine Geschichte zu erzählen. So dürfen wir im Hinblick auf das Hundertfünfzig-Jahr-Jubiläum der  Wein- und Obstbauschule Klosterneuburg anhand der Festschrift zu seinem 100. Geburtstag den Blick auf August (Wilhelm) Freiherrn von Babo lenken, den ersten Direktor dieser Anstalt. 

Portrait, August Freiher von Babo
Portrait, August Freiher von Babo© Verlag Gerold, Wien

Er wurde am 28. Jänner 1827 in Weinheim geboren und studierte in  Heidelberg und Freiburg Landwirtschaft, bevor er nach Ausübung verschiedener anderer Funktionen 1860 die Leitung der neu gegründeten Weinbauschule in Klosterneuburg übernahm, die er bis 1893 leitete; gestorben ist er bald darauf am 16. Oktober 1894 in Weidling.

Schon 1861 entwickelte er die „Klosterneuburger Mostwaage" zur Bestimmung der „Klosterneuburger Zuckergrade" des Traubenmostes. Im Zuge von Experimenten zum „Mehltau" mit amerikanischen Rebsorten schleppte er um 1870  mit diesen Reben die berüchtigte Reblaus (Phylloxera vastatrix) nach Österreich ein  (Erstnachweis 1872 durch Leonhard Roesler am „Weidlinger Spitz"), weshalb er zeitweise den Arbeitsweg  nur mit Personenschutz durch die Gendarmerie zurücklegen konnte. Umgekehrt ist ihm die Lösung des  Reblausproblems zu verdanken: Pfropfen europäischer Rebsorten auf reblausresistente amerikanische Rebsorten als Unterlage (ab 1885, nach französischem Vorbild). Gemeinsam mit Edmund Mach verfasste er 1881 das „Handbuch des Weinbaues und der Kellerwirtschaft".

Titelbild der Festschrift zum 100. Geburtstag
Titelbild der Festschrift zum 100. Geburtstag© Verlag Gerold, Wien

1927 erschien die Festschrift zu seinem 100. Geburtstag, herausgegeben vom Absolventenverband der Klosterneuburger Oenologen und Pomologen sowie der Direktion der Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, im Verlag Gerold in Wien und zugleich als Festnummer in der „Allgemeinen Wein-Zeitung"; in der NÖ Landesbibliothek findet sich unter anderem auch der erste Band „Kroatien, Dalmatien, Istrien, Venetien, Tirol, Krain, Steiermark" seines „Berichtes über die im Auftrage des K. K. Ministeriums für Handel und Volkswirthschaft unternommene Bereisung der Weinbau treibenden Kronländer Oesterreichs" (Reise von 1864, Bericht im Druck erschienen 1866). Zu seinen bekannten Nachfolgern zählt auch der überzeugte Nationalsozialist Fritz Zweigelt (1888-1964), der 1922 die Rebsorte „Rotburger", seit 1975 „(Blauer) Zweigelt", eine Kreuzung von „Saint Laurent" und „Blaufränkisch", neu züchtete, angeblich, um Importe „nichtdeutscher" Färberweine aus Italien überflüssig zu machen. Nach Frühpensionierung seines Vorgängers übernahm er 1938 die Leitung der Weinbauschule Klosterneuburg; nach Kriegsende wurden ihm die Schulleitung sowie die Dozentur entzogen. Die von ihm entwickelte Rebsorte „Zweigelt" war dennoch ein voller Erfolg: Sie erreicht in Österreich mit 6.500 Hektar 12,5 % der gesamten Rebfläche und ist damit die meist angebaute Rotweinsorte, hinter dem „Grünen Veltliner", der mit 17.300 Hektar (32,5 %) meist angebauten Weißweinsorte Österreichs. Fritz Zweigelt ist auch das Vorurteil gegen den „Uhudler" zu verdanken, eine südburgenländische Weinspezialität aus „Direktträgern" (reblausresistente Amerikanerrebsorten bzw. Hybridsorten, ohne Veredelung) mit charakteristischem „Fox-Ton"-Geschmack und angeblich etwas höherem Methanolgehalt als „normaler" Wein, verächtlich auch als „Heckenklescher" oder „Rabiatperle" bezeichnet - wie übrigens auch der aus der Rebsorte „Blauer Wildbacher" gekelterte weststeirische „Schilcher", ein Roséwein. 

Franz de Paula GAHEIS, Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien

Vignette auf dem Titelblatt
Vignette auf dem Titelblatt von Franz de Paula GAHEIS: Spazierfahrten in die Gegenden um Wien (1794) © NÖLB

Anlässlich des Erscheinens des letzten Bandes „Viertel unter dem Wienerwald" der Reihe „Niederösterreich in alten Ansichten" sowie der bevorstehenden Hauptausstellung des Jahres 2011 „Der Bezirk Neunkirchen: alte Ansichten und Bücher" stellen wir einen dazu passenden Ausschnitt aus dem Werk von Franz de Paula GAHEIS vor: Heft XXVI/XXVII sowie Heft XLV seiner „Wanderungen und Spazierfahrten in die Gegenden um Wien" - die „Spazierfahrt von Breitenau über Sebenstein und Pütten in dieSchauerleiten (im Sept. 1800, 1802 und im May 1803)"  nebst Fortsetzung sowie „Das Bergschloß Sebenstein (im September 1802)". 

Die ausgewählte Reisebeschreibung beginnt mit dem Schloss Schwarzau am Steinfeld, damals im Besitz des Reichsgrafen von Wurmbrand, in dem das spätere Kaiserpaar Karl und Zita 1911 heiratete und das heute als Frauenstrafvollzugsanstalt dient, und erwähnt die Wallfahrtskirche „Maria vom guten Rat", damals lediglich mit einem hölzernen Turm ausgestattet (die heutige Pfarrkirche „Sankt Johannes der Täufer" mit dem 
Gnadenbild der Maria vom guten Rat wurde 1865 errichtet), sowie den Fluss Schwarza, einen der beiden Quellflüsse der Leitha. 
Es folgt ein Besuch des damaligen Schmelzwerkes, des Pfarrhofes, der Pfarrkirche „Sankt Georg" (dem Stift Reichersberg inkorporiert) und des Schlosses in Pitten, ehemals Hauptort der Grafschaft Pitten, die als „Mark Pitten" ursprünglich zur Steiermark gehörte.

Über Linsberg und (Bad) Erlach geht die Reise nach Walpersbach in das damalige Steinkohlenbergwerk Schauerleiten und somit in das Gebiet des heutigen Bezirkes Wiener Neustadt. 

Eine eigene Beschreibung ist dem Bergschloss Seebenstein gewidmet, das Anton David Steiger von den Grafen Pergen pachtete und zum Sitz der 1790 von ihm gegründeten „Wildensteiner Ritterschaft auf blauer Erde" machte, der auch Erzherzog Johann als „Hans, der Thernberger" angehörte; die Ritterschaft wurde 1823 polizeilich aufgelöst.

Franz de Paula GAHEIS
Franz de Paula GAHEIS © NÖLB

Franz de Paula GAHEIS, geboren am 1.4.1763 in Krems, gestorben am 25.8.1809 in Wien, erlernte zunächst den Beruf eines Buchdruckers, studierte Theologie und Philosophie und trat 1780 (mit dem Ordensnamen Anton) in den Piaristenorden ein, aus dem er 1788 wieder austrat; im selben Jahr übernahm er die Funktion des Direktors der neuen Hauptschule in Korneuburg, an der er bis 1798 tätig war. In der Folge trat er in den Dienst des Magistrats der Stadt Wien und war bei der Studien-Revisions-Hofkommission tätig. Neben seiner pädagogischen Tätigkeit schrieb Gaheis mehrere kulturhistorische Bücher zur Lokalgeschichte Wiens und seiner Umgebungen, die zu einer Neuentdeckung der Landschaft führten und dem beginnenden Tourismus Impulse gaben.

Die vorliegende Reisebeschreibung der Region Pitten am Schnittpunkt Steinfeld - Bucklige Welt - Rosaliengebirge, ein Beispiel für die „Entdeckung der Landschaft" zu Beginn des 19. Jahrhunderts, diene nun, zweihundert Jahre später, der Wiederentdeckung vergangener Zeiten aus der Geschichte Niederösterreichs.  

Der Text der Reisebeschreibung zum Herunterladen (pdf)

Gemeinde Breitenau

Gemeinde Schwarzau am Steinfeld 

Gemeinde Pitten

Gemeinde Bad Erlach

Gemeinde Walpersbach

Gemeinde Seebenstein

Schloss Petronell (Kupferstich)
Kupferstich aus: Matthäus Merian / Martin Zeiller: Topographia provinciarum Austriacarum Austriae, Styriae, Carinthiae, Carnioliae, Tyrolis etc., Anhang II Frankfurt am Main, 1656 (NÖLB, Topographische Sammlung, Inv.-Nr. 21.583) © NÖLB

Die im Haus Merian erschienene Österreich-Topographie aus 1649 ist weithin bekannt; seltener denkt man an die später publizierten Anhänge. So brachte Caspar Merian 1656 eine eigene Beschreibung der Windhag'schen Herrschaft, der zu gräflich Kurz'schen Besitzungen gehörenden Städte Horn und Drosendorf sowie der Herrschaft Petronell auf den Markt. Die jeweils nur wenige Seiten umfassenden, von Kupferstichen begleiteten Beschreibungen listen in damals üblicher Manier örtliche Besonderheiten, Bauwerke, Herrschaftsgeschichte und Aristokratisch-Genealogisches auf. Der Petronell betreffende Abschnitt bietet jedoch mehr: Hier wird größerer Wert auf die Würdigung antiker Geschichte und archäologischer Funde als auf die Darstellung einzelner  Bestandteile der Grundherrschaft gelegt.

Diese Tendenz spiegelt sich auch in einer der beiden großen Kupferstichtafeln wider, die sich mit Schloss Petronell und dessen Umgebung beschäftigen. Die prächtige Vogelschau-Ansicht dokumentiert nicht nur Schloss und Gutshof an der Donau, deren Auen teilweise genau bezeichnet werden, sondern auch an das römische Carnuntum erinnernde Fundstätten. Die Lage des Adelssitzes wird schon im Buchtext beschrieben - "hart an der Donaw auff einem hohen Ufer zimlich befestiget" -, in seiner Individualität jedoch durch den historischen Ort und dessen antike Hinterlassenschaft definiert. Letztere wird im Stich selbst mittels verschiedener Beschriftungen gewürdigt ("Fundamenter der Alten Statt Carnunta" oder "Heydnisch geBäw Unter der Erden"). Dadurch erhält das Blatt zusätzlich zur akribischen Architekturdarstellung Qualitäten einer Landkarte verliehen.

Der ausgedehnte Meierhof, Schloss- bzw. "Küchelgarten" fungieren als gleichberechtigte Darstellungselemente  neben dem Herrschaftssitz. Schloss Petronell zeigt sich hier noch in seiner Renaissancegestalt - vor dem Ausbau  durch die Grafen Abensperg und Traun. Deren Wappen und Motto krönen dieses Bild, womit wir auch einen  Hinweis auf den Auftraggeber dieser "Privattopographie" besäßen: Es handelte sich um Ernst Herrn von Traun  (später Ernst Graf Abensperg und Traun, 1608-68), welcher als Militär und Politiker eine bedeutende Stütze  Kaiser Ferdinands III. und 1650 an die Herrschaft Petronell gekommen war - kein Wunder, dass er auf diese Weise seinen Besitzerstolz demonstrieren wollte. Bald nach Erscheinen dieser illustrierten "Beschreibung der Herrschafft Petronell" sollte Graf Ernst dem Schloss durch Umbauten dessen heutige Gestalt verleihen; diese kann man auf dem Vischer-Stich aus 1672 bewundern.  

Clemens Beutler

Passend zur Jahreszeit wird hiermit ein Buch vorgestellt, das sich mit der Kulturgeschichte des Weihnachtsbaumes befasst. Die Mitarbeiter der Landesbibliothek wünschen allen Leserinnen und Lesern ein  gesegnetes Weihnachtsfest und viel Glück im Neuen Jahr und bedanken sich für die erwiesene Verbundenheit mit ihr im letzten Jahr. 

Titelbild "Der Weihnachtsbaum"
Kronfeld, Ernst Moritz: Der Weihnachtsbaum : Botanik und Geschichte des Weihnachtsgrüns ; seine Beziehungen zu Volksglauben, Mythos, Sage, Sitte und Dichtung / von E. M. Kronfeld. - Oldenburg [u. a.] : Schulze, [1906] Sign. 7.572 B © NÖLB

Der Autor:
Ernst Moritz Kronfeld, geb. 3. Juni 1865 in Lemberg, gest. 16. März 1942 in Wien, war ein jüdischer 
Botaniker und Journalist.

Der Inhalt:  
Neben der Beschreibung einzelner Arten des „Weihnachtsgrüns", insbesondere TanneFichteFöhreEibeMistel und Stechpalme, widmet sich der Verfasser Themen wie „Wunderblüten der Weihnacht", „Fest- und Lichterbäume", „Glückszweige", „goldene Äpfel" und „goldene Nüsse", um schließlich - ausgehend von den ersten Christbäumen im Elsass - über den deutschen Weihnachtsbaum und den Weihnachtsbaum in Österreich den Bogen bis zum „Weltsieg des Weihnachtsbaumes" zu spannen. 


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Tel: 02742/9005-12835
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Letzte Änderung dieser Seite: 4.12.2019
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