Wie muss Verwaltung organisiert sein, damit sie im Alltag wirklich hilft? Mit dieser zentralen Frage startete das erste Zukunftsgespräch der Initiative „Mein Land denkt an morgen“ am Dienstagabend in Kottingbrunn. Unter dem Titel „Zukunftsfit verwalten: Service, Tempo, Vertrauen“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Gemeinden gemeinsam mit dem Publikum über konkrete Wege zu einer modernen, bürgernahen Verwaltung.
Die Zukunftsgespräche sind das Herzstück der Initiative: Sie verbinden wissenschaftliche Analysen, Ergebnisse aus Bürgerbefragungen und die Perspektiven aus der Praxis – und machen daraus einen offenen Dialog im ganzen Land. Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Bürgermeister Christian Macho, gaben Univ.-Prof. Christoph Badelt, Univ.-Prof. Peter Filzmaier und Dr. Katrin Praprotnik Einblicke aus ihren jeweiligen Zukunftsfeldern – von der Aufgabenkritik der Verwaltung bis hin zu aktuellen Ergebnissen aus dem Demokratieradar.
Christoph Badelt betonte die Bedeutung der Analyse: „Wenn Anforderungen steigen und Ressourcen begrenzt sind, wird Effizienz zu einer zentralen Zukunftsfrage. Niederösterreich setzt hier mit einem österreichweit bemerkenswerten Prozess an. Verwaltung soll leistungsfähiger werden, Spielräume für Zukunftsinvestitionen schaffen und den Menschen im Alltag schneller und verständlicher helfen.“
Peter Filzmaier verwies auf die Perspektive der Bevölkerung: „Die Befragung zeigt sehr klar, dass die Bürgerinnen und Bürger keine Verwaltung nach einem Entweder-oder-Prinzip wollen. Sie wünschen sich für Amtswege sowohl mehr digitale Möglichkeiten als auch wie bisher persönliche Erreichbarkeit, verständliche Auskünfte und verlässliche Abläufe. Wenn 79 Prozent die persönliche Begegnung mit Behörden gerne nutzen würden, 77 Prozent das Telefonat mit einer realen Person und zugleich 80 Prozent E-Mail-Kommunikation wollen, dann ist die Botschaft eindeutig: Digitalisierung ist eine von den Menschen gewollte Notwendigkeit, moderne Verwaltung muss schneller und einfacher werden. Sie darf dabei aber den menschlichen Kontakt nicht verlieren.“
Katrin Praprotnik hob die Bedeutung von Vertrauen hervor: „Vertrauen entsteht dort, wo Menschen Entscheidungen nachvollziehen können und sich mit ihren Anliegen ernst genommen fühlen. Das Demokratieradar zeigt, dass eine Mehrheit die Demokratie grundsätzlich funktionierend wahrnimmt, gleichzeitig gibt es klare Erwartungen an Reformen. Etwa eine stärkere Bekämpfung von Korruption, ein besserer Schutz der Pressefreiheit und mehr Transparenz in der Entscheidungsfindung. Genau deshalb ist eine bürgernahe Verwaltung auch ein Beitrag zu einer lebendigen Demokratie.“
In der anschließenden Diskussion wurden die wissenschaftlichen Erkenntnisse mit der Praxis verbunden. Am Podium diskutierten Landesamtsdirektor Werner Trock, Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl und E-Governance-Experte Peter Parycek. Werner Trock unterstrich die Rolle der Verwaltung: „Das Ziel der Landeshauptfrau ist klar: Niederösterreich soll das modernste und schnellste Bundesland werden – und das schönste bleiben. Für die Landesverwaltung ist das kein bloßes Versprechen, sondern Arbeitsauftrag. Jede Reform, die wir anstoßen, muss sich daran messen lassen.“
Johannes Pressl brachte die Perspektive der Gemeinden ein: „Unsere Gemeinden sind der erste und wichtigste Kontaktpunkt zu den Bürgerinnen und Bürgern. Verwaltung wird immer mehr digital werden, aber die Gemeinde wird auch als ‚menschliches Backup‘ immer da sein und das schnell, verständlich und verlässlich, auch bei komplizierten Fragestellungen und Anliegen, die noch nicht digitalisierbar sind. Ja, wir werden digitalisieren, aber Digitalisierung ist für uns in den niederösterreichischen Gemeinden kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für mehr Nähe und Vertrauen.“
Peter Parycek betonte die Chancen der Digitalisierung: „Die zentrale Frage lautet nicht nur, wie wir Verwaltung digitalisieren, sondern wie wir sie anpassungsfähiger machen. Wir brauchen atmende Organisationen: Strukturen, die in Krisenzeiten schnell skalieren können und sich bei sinkendem Bedarf wieder verkleinern. KI kann dabei ein wichtiger Hebel sein, etwa für Koordination, Priorisierung und Serviceprozesse. Aber Resilienz entsteht nicht durch Technologie allein, sondern durch lernfähige Institutionen und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“
Moderiert wurde der Abend von Friedrich Faulhammer, Leiter der Zukunftsinitiative, der den Anspruch der Reihe zusammenfasste: „Es geht darum, zuerst Orientierung zu geben und dann ins Gespräch zu kommen. Die Zukunftsgespräche verbinden Analyse und Austausch. Sachlich, offen und mit Blick auf das große Ganze.“
Das Zukunftsgespräch in Kottingbrunn bildet den Auftakt für insgesamt fünf Veranstaltungen im Jahr 2026, die sich jeweils einer zentralen Zukunftsfrage widmen. Die Ergebnisse aus den Diskussionen fließen direkt in die weitere Arbeit der Initiative ein. Ein wesentliches Element des Abends war auch die aktive Einbindung des Publikums: Über ein Stimmungsbild und offene Rückmeldungen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Einschätzungen zur Verwaltung einbringen. Diese Perspektiven werden gemeinsam mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen weiter ausgewertet und in die zukünftigen Schritte integriert.
Nach dem Auftakt in Kottingbrunn folgen weitere Zukunftsgespräche in den Regionen Niederösterreichs. Ziel bleibt es, zentrale Zukunftsfragen gemeinsam zu diskutieren und daraus konkrete Ableitungen für Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu entwickeln. Friedrich Faulhammer abschließend: „Zukunft entsteht nicht im Alleingang. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Genau das leisten die Zukunftsgespräche.“
Weitere Informationen: Mag. Friedrich Faulhammer, Amt der NÖ Landesregierung, Landesamtsdirektion / Zukunftsforschung, Tel.: +43 (0)2742 / 9005 – 15334, E-Mail: friedrich.faulhammer@noel.gv.at
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